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(FR) Grande Traversée des Alpes/ GR5 Genfer See -> Mittelmeer 2021
fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 25 - Sonntag 15.8.: Lac de Trecolpas - Refuge de Nice Als ich morgens den Kopf aus dem Zelt stecke, spielen an den Hängen der Berge schon ein paar Gämsen Fangen. Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt, was die für ein Tempo drauf haben und mit was für einer Sicherheit sie die steilsten Hängen entlang flitzen! Auch ansonsten ist es wunderschön morgens am See, noch ganz ruhig. Es folgt dann der Aufstieg zum Pas de Ladres. Blicke zurück zum See: Der Abstieg zur Madone de Fenestre ist entspannt, aber es wird langsam schon wieder ziemlich heiß. Dort gibt es mal wieder eine Wegsperrung wegen des Sturms aus 2020, der auch hier scheinbar eine Brücke weggerissen hat. Nach den ersten 30min Aufstieg mache ich eine Pause im Schatten, danach soll heute Geröllkletterei folgen, sagt das Guidebook. Leider hab ich dann doch zu viel gegessen. Das macht den Aufstieg nicht leichter so mit vollem Bauch… Nun also das angekündigte Boulderhopping, es ist brutal heiß und anstrengend, aber vor allem ziemlich spaßig. Angekommen am Pas de Mont Colomb – ziemlich steil - folgt der Abstieg über Geröllfelder in Richtung des Refuge de Nice. Der Abstieg geht übel auf die Knie, am Ende rutsche ich halb auf´m Allerwertesten runter. Aber geschafft. Hier der Blick zurück zum Pass. Und hier geht es weiter bergab: Das Refuge de Nice liegt am Lac de la Fous. Dort sind schon eine Menge Leute unterwegs und hängen am See in der Sonne rum. Mit ist ja so gar nicht nach in der Sonne liegen – Schatten wäre mir lieber. Es ist aber keiner in Sicht - also steige ich erstmal zum Refuge hoch, das etwas oberhalb des Sees liegt. Dort gönne ich mir einen Apfelsaft und einen Schattenplatz. Aber am Refuge, das ist irgendwie nicht so meine Welt, es ist dort meist laut, es sind ne Menge Leute da und irgendwie fühle ich mich immer fehl am Platz. Von oben schaue ich schonmal auf das Gelände am See, wo womöglich ein geeigneter Platz für das Biwak später sein könnte. Der ist auch schnell geortet - sogar inklusive Windschutzmauer. Gegen Abend kommt Wind auf und ein paar Wolken ziehen durch. Ich wasche mein Shirt im Bach und mich gleich mit und vertreibe mir die Zeit, bis ich um 19h das Zelt aufbauen darf, mit Rumlaufen, Fotos machen, Chillen und Co. Als ich nach dem Aufbau des Zeltes und dem Abendessen dann gegen 20.30h im Zelt liege, fängt es etwas an zu nieseln. Perfektes Timing - und so schlafe ich bei gleichmäßigem Tröpfeln auf meinem Zelt ein. -
(FR) Grande Traversée des Alpes/ GR5 Genfer See -> Mittelmeer 2021
fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
@kurzhosenhiker: Wie cool, freut mich sehr, wenn ich mit dem Bericht dazu inspirieren konnte. Der Weg ist wirklich toll und ich wünsch dir viel Spaß und eine gute Zeit! -
(FR) Grande Traversée des Alpes/ GR5 Genfer See -> Mittelmeer 2021
fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 24 - Samstag 14.8.: St Dalmas - Lac de Trecolpas Die Nacht war nicht nur warm, sondern auch laut, wegen Party im Dorf. Entsprechend schlecht hab ich geschlafen. Also nicht die besten Startbedingungen für einen langen Wandertag. Aber nützt ja nix. Der erste Aufstieg steht an. Im Wald höre ich ca. 50m entfernt von mir plötzlich ein lautes Grunzen, dann stürmt eine Horde Wildschweine davon. Blick zurück Richtung Tal: Im weiteren Aufstieg quere ich mehrfach eine Straße - und es stehen überall Camper und Vans in den Haltebuchten. Und nicht nur dort ... Hier haben es sich welche gleich auf dem Wanderweg gemütlich gemacht. Warm ist es schon wieder. Dann kommt auch schon wieder der Bremer angewetzt. Ein ulkiger Typ irgendwie. Er heißt übrigens Walter, erzählt er mir heute, oder „Voltaire“, wie ihn die Franzosen nennen :-D Der Pass des Tages heute heißt Col du Barn. Blicke zurück: Und voraus... Der Abstieg ist zum Glück halbwegs schattig. Es sind eine Menge Auswirkungen eines Sturms aus dem Herbst 2020 zu sehen, der hier einiges verwüstet und zerstört hat. Ganze Berghänge sind runtergerutscht und Brücken wurden zerstört. Meine Stimmung sinkt irgendwie, mag daran liegen, dass die Nacht doof war. Oder der Weg gerade recht langweilig, weil entlang der Straße. Ich mache Pause an der Gite d‘ Etape in Le Boreon, das sind ein paar Häuser an gleichnamigem See. Bald treffen auch der Bremer und seine Freunde, wie er immer sie immer nennt, ein Pärchen aus der Schweiz, ein. Sie sind scheinbar jeden Tag in der gleichen Unterkunft und treffen sich dort dann immer. Ich gönne mir in der Gite einen Apfelsaft, regionales Produkt, wie es heißt (und sehr lecker), und will ein paar Wegnews erfragen. Wegen des Sturms sind nämlich einige Teile des Weges gesperrt und es gibt Umleitungen, allerdings ist nicht immer ganz klar, wann und wo. Mein Ziel des Tages heißt Lac de Trecolpas. Der Herr an der Gite bestätigt mir, dass ich eine Umgehung nehmen muss und nach einer Stunde Pause und nem halben Liter Apfelsaft ist auch meine Laune wieder ganz ausgezeichnet. Auf dem Weg häufen sich dann auch noch Hinweise auf Käseverkauf ganz in der Nähe - das muss ich mir natürlich genauer ansehen. Tatsächlich, direkt von einer kleinen Käserei wird hier verkauft- ich nehme natürlich was mit. Es folgen die letzten zwei Stunden Aufstieg, die Tagestouristen kommen gerade alle vom Berg runter, also ist wieder mal Bonjour-Marathon angesagt. Es scheint nett da oben. Es stellt sich heraus, nett ist stark untertrieben. Es ist traumhaft schön!! Es sind einige Leute da, viele scheinen einfach den Tag am See zu verbringen und abends dann einfach da zu zelten (auch hier ist das Biwakieren nur von 19-9h erlaubt). Ich finde einen Platz mit super Blick auf den See und chille noch die Zeit bis 19h. Dann geht es ans aufbauen, kochen, essen und bald auch schon schlafen. -
(FR) Grande Traversée des Alpes/ GR5 Genfer See -> Mittelmeer 2021
fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 23 - Freitag 13.8.: St Sauveur de Tinnée - St Dalmas Valdeblore Heute geht es nur ganz entspannt St Dalmas. Ich liege mehr als gut in meinem großzügig veranschlagten Zeitplan und will die Zeit bis zur Weiterreise in die Pyrenäen lieber in den Bergen verbringen als sie dann in Nizza totzuschlagen. In St. Dalmas Valderblore teilt sich der GR 5. Entweder man geht innerhalb von 2 Tagen recht unspektakulär (sagt jedenfalls das Guidebook) direkt nach Nizza, oder man nimmt die Variante (GR52) durch den Nationalpark Mercantour und geht nach Menton, dafür werden nochmal so 4-5 Tage veranschlagt und das Ganze soll ein Highlight sein (sagt auch das Guidebook). Die Entscheidung ist also klar.… Aber erstmal geht es raus aus St Sauveur. Es ist wirklich beeindruckend, wie sehr sich die Landschaft seit Beginn der Wanderung verändert hat. Erst Heidi Atmosphäre, nun ist es zunehmend mediterran. Es geht nach Rimplas, auch so ein nettes Bergdorf und schon kommt die Sonne über den Berg und es wird sofort unfassbar heiß. Mir läuft schon wieder die Brühe überall runter. Ich fülle nochmal mein Wasser auf. Ich mache eine kurze Pause in La Bolline. bevor es dann weiter nach St Dalmas geht. Die letzten Meter gehen an der Straße entlang. Am Supermarkt in St Dalmas treffe ich den Bremer wieder. Wir schnacken kurz, er wirkt schon wieder gestresst und hetzt los zu einer Gite. Ich kaufe Essen für die nächsten Tage auf dem GR 52. Dann ab zum Camping, mit 8€ günstig, duschen ist umsonst und ich finde sogar einen Platz im Schatten. Wäsche waschen ist auch mal wieder drin. -
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fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 22 - Donnerstag 12.8.: Roya - St Sauveur de Tinée Heute soll es dann nun über den Col der Crousette gehen. Der Wecker klingelt früh, es ist noch dunkel und drüben in der Gite ist auch noch alles ruhig. Ich packe leise zusammen. Vor der Gite liegt ein großer weißer Hund, der sich gestern schon dort rumgetrieben hatte. Irgendwie wusste keiner, wo er hingehört, wenn ich das aus der Entfernung richtig mitbekommen habe, aber die Kinder dort haben dann den ganzen Abend mit ihm gespielt und er hat noch ein paar Reste vom Essen aus dem Restaurant abgegriffen. Als ich losgehe, begrüßt er mich schwanzwedelnd. Die Gite am Morgen: Ich gehe raus aus Roya, der Anstieg beginnt sogleich. Nach ca. 10min überholt mich der Hund von der Gite, bleibt stehen und wedelt mit dem Schwanz. Ich erkläre ihm, dass er mich leider nicht begleiten kann. Außerdem sind wir hier schon wieder innerhalb der Grenzen des Nationalpark Mercantour und er darf eigentlich gar nicht hier sein. Natürlich versteht er nicht und läuft weiter vor mir her, bleibt immer mal stehen und wartet wieder auf mich. Er ist ja schon ein Toller. Und das sag ich, obwohl ich eher Hunde-Schisser bin. Und gegen ein wenig Begleitung hätte ich auch nichts einzuwenden. Aber geht ja nicht. Also sage ich zu ihm „reste là“, was er dann auch tut. Als er wieder los will, um mir zu folgen, sage ich „non“. Etwas weiter blicke ich zurück, er ist mir ein kleines Stück gefolgt und schaut um die Kurve des Weges. Ich rufe nochmal „non“ und „reste là“. Schließlich bin ich wieder allein. Und bin ein bisschen traurig. Ich komme an ein paar Zelten vorbei, wo gerade Leute am Aufstehen sind. Hier wäre es auch nett gewesen. Aber gestern war ich einfach zu fertig, um noch weiterzugehen. Dann höre ich leises Bellen in der Ferne oberhalb von mir. Oh, das klingt nach Patous, die die Schafe zusammen treiben. Heute gibt es die volle Packung Hunde, schätze ich. Die Sonne kommt auch raus und es wird warm. Letztlich kommt nur ein gutmütiger Patou angetrottet und beschnüffelt meine Hand, dann geht er schon weiter und ich kann passieren. Es geht hoch zum Col, die Blicke sind mal wieder toll. Hinter mir tauchen nun auch ein paar andere Leute auf. Einer überholt mich, ein Mann mit kleinem Rucksack ruft im Vorbeigehen „Guten Tag, Bonjour“. Ich antworte mit „Moin“. Wir unterhalten uns kurz, er kommt aus Bremen und läuft auch den GR5, allerdings ohne Zelt, sondern von Hütte zu Hütte. Dann geht er weiter. „Bis später“, ruft er noch. Nach dem Col geht es noch etwas höher hinaus, der höchste Punkt für heute mit fantastischen Aussichten. Der Bremer ist auch schon da, wir schnacken kurz, dann hastet er auch schon weiter. Er wirkt irgendwie gehetzt. Ich mache erstmal Frühstückspause. Dann geht es an den Abstieg, der ist schön langgezogen und entspannt. Nur heiß ist es. Nach ein paar Stunden finde ich in einem Tal an einem Bach ein schönes schattiges Plätzchen für eine Pause. Als ich so langsam zusammenpacken will, sehe ich, dass gerade ein paar Wolken aufziehen. Oh, ist ja ganz angenehm, freue ich mich noch. Dann denke ich: „Hm, die sind ganz schön schnell und angesagt war das irgendwie auch nicht. Und da hinten wird es irgendwie auch ziemlich dunkel“. Ich beeile mich und gehe los. Es donnert in der Ferne. Hm, unschön. Es donnert immer mehr und über mir wird es ziemlich dunkel. Hm, soll ich umdrehen? Aber es sieht aus, als würde es an mir vorbei ziehen. Also weiter. Es zieht dann auch an mir vorbei und ich gehe oberhalb eines hübschen Tals entlang. Der letzte Aufstieg steht an. Ich schaue Richtung Himmel. Ups, wieder dunkel da hinten. Ich schätze die Zeit, die ich für den Aufstieg brauche. Ca. eine halbe Stunde, dann eine Stunde laut Guidebook bis zum Ende des folgenden Tals und zur Baumgrenze. Ich gebe also Gas und komme völlig verschwitzt oben an. Nun schnell das Tal entlang. Dort chillen Kühe. Na, solange die hier noch chillen ... Es donnert noch etwas weiter und regnet leicht vor sich hin, aber alles zieht weiter. Nun folgt ein langer Abstieg. Ca. 1500hm muss ich noch hinab bis St Sauveur, dort ist laut Guidebook eine Campsite. Oder vorher einen geeigneten Biwakplatz finden. Aber es ist alles steil und nix geeignetes ist zu finden. Ich komme nach Roure, ein uriges Dorf, quasi in die Felsen gebaut. Nur weiterhin keine geeigneten Biwakplätze. Dann eben doch runter bis St Sauveur. Mapy.cz zeigt keinen Campingplatz, also erstmal zum Supermarkt, was einkaufen und dort nach dem Camping fragen. Das sei geschlossen, aus Sicherheitsgründen, weil bei einem Sturm auf einem Teil des Campings etwas vom Hang in den Fluss gebrochen sei. Aber der vordere Teil sei in Ordnung, da könne man zelten, da seien jeden Tag Leute und das würde von offizieller Seite auch geduldet. Klo und Wasser seien auch vorhanden. Perfekt! Auf dem Camping (eine Wiese hinter einem Sportplatz) sind dann schließlich auch noch drei andere Zelte und ich mache es mir gemütlich und schlafe nach einem dann doch langen und ereignisreichen Tag fix ein. -
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fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 21 - Mittwoch 11.8.: St. Etienne de Tinnée - Roya Ich bin früh wach und packe meine Sachen zusammen. Heute steht wieder ein langer Tag auf dem Programm. Bis Freitag, so mein Plan, will ich in St Dalmas sein (ein anderes als das von gestern). Also mache ich mich auf die Socken in Richtung Auron, dort muss ich noch ein bisschen was zu essen für die kommenden Tage einkaufen. Die Top-Form, die meine Beine und Füße gestern Morgen noch hatten, ist wie weggeblasen. Ich merke deutlich den langen und heißen Tag von gestern. Und ein paar mehr Pausen hätte ich wohl auch machen können. Naja, was soll’s- erstmal laufen und schauen, was der Tag so bringt. Schon bald steht dann auch die Sonne wieder unerbittlich am Himmel. Es ist erst 8h und schon heiß…. In Auron kaufe ich ein, frühstücke was und mach mich schnell vom Acker, weil sehr hässlicher Ski-Touri-Ort. Hier im Rückblick. Es geht, zum Glück so halbwegs im Schatten, zum nächsten Col. Und dann der Abstieg nach Roya. In der sengenden Mittagshitze. Die Beine sind schwer, die Füße tun weh, und ich schwitze wie Sau, fühle mich übermüdet und die Hitze macht den Kopf und das Denken auch irgendwie nicht besser. Eigentlich wollte ich heute noch über den Col de Crousette. Doch das würde nochmal 4h Aufstieg in der vollen Mittagshitze bedeuten. Nä, das ist heute echt nicht drin. Das wäre eine pure Quälerei. Und dafür bin ich nun echt nicht hier. In Roya soll es eine Gite d‘ Etape geben. Vielleicht ja auch eine Aire de Bivouac? Auf jeden Fall gibt es erstmal Wasser dort. Ich krieche also den Berg hinunter und komme schließlich in Roya (auch nur eine winzige Siedlung im Tal) an. Fülle Wasser auf und frage in der Gite nach einer Aire de Bivouac. Sie selber haben sowas nicht, aber, sagt mir der Herr und deutet ein paar Meter weiter auf eine Wiese, dort sei „bivouac autorisée“. Bingo!! Hier bleib ich!! Ich packe mich in den einzigen Schatten auf der Wiese unter einen kleinen Baum und bin so fertig, dass ich erstmal einpenne. Dann esse ich. Dann schlafe ich wieder. Puh, nach der doch oft eher kühlen Zeit in den Tagen und Wochen zuvor macht mir die Hitze ziemlich zu schaffen. So verbringe ich den Nachmittag im Schatten des bzw. der kleinen Bäume auf der Wiese, und wandere je nach Sonnenstand dem Schatten hinterher. Abends schaue ich der Sonne dann beim Untergehen zu, baue mein Zelt auf und koch mir ein paar Nudeln. -
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fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 20 - Dienstag 10.8.: Larche- St. Etienne de Tinnée Morgens geh` ich gespannt los, ca. 1h Fußweg nach Larche beginnt der Nationalpark Mercantour. Den habe ich dann bald auch erreicht. Es ist wenig los und es warten tolle Aussichten auf dem Weg zum Pas de Cavale. Den Beinen hat der kurze Tag gestern sichtlich gut getan. Ich bin den Zeitangaben im Guidebook weit voraus und es läuft sich hervorragend. Es sind überall Murmeltiere unterwegs - es pfeift quasi aus allen Löchern. Schließlich erreiche ich den Lac de Lauzanier. Dort baut gerade noch einer sein Zelt ab... auf jeden Fall ein Traum-Platz. Der letzte Anstieg zum Pas de Cavale ist geröllig. Dann bin ich oben und habe den Pass sowie die Aussicht für mich allein. In dieses Tal muss bzw. darf ich nachher absteigen. Ich frühstücke gemütlich und als dann so langsam mehr Leute an den Pass kommen, mache ich mich an den Abstieg. Ich gehe an den ersten ausgetrockneten Bachbetten entlang. Aha, so langsam wird also Wasser ein Thema werden und man kann sich scheinbar nicht mehr so ganz darauf verlassen, Wasser zu finden, wenn ein Wasserlauf in der Karte verzeichnet ist. Blicke zurück zum Pass. Es wird heiß. Und zwar richtig krass heiß. Die Sonne knallt brutal und ich steige hoch zum nächsten Col. Dort gibt es mal wieder alte Militärbunker. Und dahinter eine halb verfallene Siedlung. Von der aus steige ich ab nach Bousieyas. Das besteht aus nur einer Handvoll Häusern. Hier zu sehen im Rückblick auf dem Weg zum nächsten Col. In der Hitze geht es jetzt nämlich zum Col de la Colombière. Auch hier gibt es wieder tolle Blicke zurück auf die Berge, über die ich heute Morgen gekommen bin. Der Abstieg nach St Dalmas de Selvage in der Nachmittagshitze ist heftig. Inzwischen hat sich die ganze Landschaft echt verändert. Es wachsen Lavendel und Disteln, die Erde ist oft rötlich gefärbt und alles ist sehr trocken und sandig. St Dalmas de Selvage ist ein süßes kleines Dorf. Puh, die Hitze schafft mich. Aber ich will noch weiter heute. Abends hab ich schließlich 40km auf der Uhr und Beine sowie Füße bedanken sich. Ich schlafe schnell ein. -
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fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
@RaulDuke und @Bergschlumpf: Danke euch für die nette Rückmeldung - das freut mich wirklich sehr, dass ich euch so ein Stück mitnehmen kann! -
(FR) Grande Traversée des Alpes/ GR5 Genfer See -> Mittelmeer 2021
fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 19 - Montag 9.8.: Fouillouse - Larche Heute Nacht war es noch kälter als die Nacht davor. Gefroren hab ich aber nicht, im Gegenteil, ich hatte es recht muckelig in meinem 450er Quilt. Aber morgens das Aus-dem-Schlafsack-Pellen ist fies. Draußen ist alles gefroren, inklusive des Kondens am Zelt. Ich koch mir schnell nen Kaffee, esse mein Müsli und packe erst mich warm ein, dann den Rucksack und dann geht es los zum Col du Vallonet. Blick zurück in Richtung Fouillouse: Auf dem Weg dorthin wird es dann auch so langsam warm und sonnig und von dort aus geht es dann zum nächsten Col. Der ist dem leider recht unbekannten Bruder von Lord Voldemort, Lord Mallemort gewidmet. Der hat zwar nicht so eine schreckenumwobene Berühmtheit erlangt wie sein gruseliger Bruder, aber immerhin wurde ein Col nach ihm benannt. Jesus war scheinbar auch schonmal hier und hat ein Autogramm hinterlassen. Von oben kann man Ruinen alter Militär-Baracken sehen. Ich mache eine ausgiebige Frühstückspause und trockne mein Zelt in der Sonne. Heute übe ich mich im Mir-Zeit-Lassen und habe selbige folglich en masse. Beim Abstieg kann ich von Weitem schonmal den Col sehen, über den ich morgen rüber muss. In der Epicerie in Larche gebe ich mal wieder einiges an Geld aus, ergattere dafür aber eine Melone, der anschließend genüsslich an den Kragen gehe. -
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fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 18 - Sonntag 8.8.: Ceillac - Fouillouse Nachdem es die halbe Nacht noch gewittert und geregnet hat, verspricht der Morgen einen schönen sonnigen Tag. Aber es ist ARSCHkalt!! Knapp über null, sagt das Handy. Also geht es für mich Frostbeule mit Fleece, langer Hose, Handschuhen und Mütze aus Ceillac raus. Der Aufstieg kommt gerade gelegen, da wird einem wenigstens warm. Ich begegne drei Leuten an einem Parkplatz, die mich später bei einer Pause überholen und wir schnacken kurz. Ob ich Italiener sei. Nö. Frühstückspause am Lac Miroir. Ne Menge Leute sind schon da. Ich warte, bis alle weiter gegangen sind und habe Sonne und meine Ruhe am See. Dann geht es weiter hoch, ziemlich windig wird es, also wieder Schichten anziehen. Ich begegne wieder den Dreien vom Morgen. Die junge Frau hat sich inzwischen mit Erde Striche ins Gesicht gemalt und tanzt durch die Gegend. Ich gehe weiter in Richtung des zweiten Sees, des Lac St. Anne. Dort ist schon `ne Menge los. Die junge Frau und die beiden Typen, die schätzungsweise Zwillinge sind, machen Foto-Session. Also sie posiert, die Typen machen Fotos. Die Berge schauen dem Treiben kommentarlos zu. Skurril irgendwie. Schnell weiter. Tolle Blicke gibt es oben am Col Girardin. Der hat mit 2699m die 2700 gerade so verpasst. Nochmal eine Pause und die Sonne genießen. Als der Wind zu kalt wird, mache ich mich an den Abstieg. Dort wird man fast weggepustet von recht ordentlichen Böen. Ab La Barge geht es dann erstmal etwas an der Straße und dann an einem Fluss entlang. An etlichen gut mit dem Auto zu erreichenden Stellen machen Leute Picknick. Was die da alles ankarren! Sitzgarnituren für 10 Personen und so. Die Sonne knalle ganz schön inzwischen. Man merkt auch so langsam, dass es südlicher wird. Die Vegetation und die Landschaft verändern sich. Es geht einen letzten Anstieg hoch, dann bin ich in Fouillouse. Besteht eigentlich nicht aus viel mehr als aus ein paar Häusern. Aber es gibt selbstgemachtes Eis. Fantastisch!! Ich laufe noch etwas raus aus Fouillouse, um einen Schlafplatz zu suchen. Den finde ich schließlich auch, mit eigenem Badezimmer, sprich Zugang zum Bach. Perfekt. In der Nähe baut ein anderer Typ sein X-Mid auf. Wir klönen noch kurz, dann geht es in die Horizontale. -
+1 Zu deiner Frage nach halbhohen Trailrunningschuhen - es gibt z.B. auch die Altra Lone Peak in einer halbhohen Version, die heißen dann "All Weather Mid" oder so ähnlich ...
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(FR) Grande Traversée des Alpes/ GR5 Genfer See -> Mittelmeer 2021
fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Hey @D13, schön, dass dir der Bericht gefällt! Die Fotos mach` ich ganz banal mit dem Handy - in dem Fall ein iPhone 12mini. Beste Grüße fool -
(FR) Grande Traversée des Alpes/ GR5 Genfer See -> Mittelmeer 2021
fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 17 - Samstag 7.8.: Lac de Roue - Ceillac Morgens geht es gemütlich los, ich habe gesehen im nächsten Dorf soll es neben einem alten Fort auch eine Post geben, die ab 9h auf hat. Na, dann will ich doch nochmal mein Glück versuchen, die Microspikes loszuwerden. Unterwegs gibt`s `ne Limo aus dem Snackautomat. Punkt 9h stehe ich dann auch an der Post- und siehe da, sie hat nicht nur offen, sondern es funktionieren auch ie Computer und sie haben zudem noch die richtigen Aufkleber für mein Päckchen da! Der missmutige Postbeamte scheint mit meiner Begeisterung angesichts der Möglichkeit, hier ein Päckchen zu verschicken, etwas irritiert. Egal - ich hab` gute Laune. Heute geht es über den Col mit dem tollen Namen Col Fromage, dem Käsecol also. Die allseits beliebten Marmottes sind auch unterwegs… Oben ist es super schön und ich mache ein Päuschen mit Powernap in der Sonne. Als die dann weg ist, wird es kühl und ich mache mich an den Abstieg. Es geht nach Ceillac, wo ich mir erstmal ein fantastisches Eis gönne. Der Himmel ist einer Meinung mit der Wettervorhersage, die für den Abend schwere Gewitter ansagt und ich entschließe mich, statt weiter zu gehen und an einem der kommenden Seen zu biwakieren, den örtlichen Campingplatz anzusteuern und die Gelegenheit zu nutzen, meine Weiterreise ab Nizza in Richtung Pyrenäen zu planen. Auf dem Platz sind einige Wanderer, die meisten sind wohl auf dem GR 58, der Tour du Queyras unterwegs. Es folgen noch ein krasses Gewitter und eine regenreiche Nacht. -
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fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 16 - Freitag 6.8.: Briancon - Lac de Roue Morgens steht erstmal der Weg aus der Stadt raus an… das ist ja manchmal der weniger attraktive Teil - diese Wege rein und raus in bzw. aus den Städten. Das kann sich ganz schön ziehen. Die Postfiliale, die ich mir ausgeguckt hatte, stellt sich als winzige Zweigstelle in einem Wohngebiet heraus, die zudem natürlich geschlossen hat. Die Hauptfiliale wäre mindestens eine Stunde Fußmarsch zurück zum Eingang der Stadt. Die Grödel dürfen also ihre Odyssee weiterführen. Heute hat sich ein Spaßvogel außerdem etwas ganz besonders Lustiges einfallen lassen… ne Menge Höhenmeter hoch in den Wald, diese dann wieder runter, nur um dann auf einen Forstweg zu treffen, von dem aus der Aufstieg in den Wald zuvor gerade begonnen hat. Ich fluch vor mich hin angesichts der extra Höhenmeter mit einkaufsbedingt (zu) schwerem Rucksack. So latsche ich erstmal unbegeistert besagten Forstweg nach oben in Richtung Chalets des Ayes. Dort angekommen bessert sich meine Laune schlagartig. Ach, ist dat nett hier. Dann folgt ein steiler Aufstieg durch den Wald, bis schließlich die Baumgrenze erreicht ist. Spätestens dann bin ich ja immer hin und weg. Wow- ist das unfassbar schön hier!! Ich hab schon wieder Pipi inne Augen und bin einfach glücklich, hier sein zu dürfen. Der Aufstieg zum Col des Ayes geht gut auf die Beine in den letzten Metern. Oben wird es dafür aber sowas von belohnt! Dazu Sonnenschein und bestes Wetter. Ich bin ja nun schon über ein paar Cols, aber gerade in den ersten Tagen war es oft einfach saukalt da. Heute aber ist es fast windstill, sonnig und super schön… also erstmal ´ne ausgiebige Pause hier oben. Und einfach ein bisschen glücklich sein. Ich sehe eine Frau etwas unterhalb des Cols, die da so hockt und irgendwie beschäftigt aussieht. Ich frage mich noch, was sie da tut. Jemand bleibt sehen und unterhält sich mit ihr. Beim Abstieg später begegne ich ihr. Sie hat zwei Farbtöpfe und Pinsel dabei und malt die Markierungen nach. Ich unterhalte mich mit ihr und bedanke mich bei ihr für ihre Arbeit, die es mir ermöglicht, hier so easy und ohne Orientierungsschwierigkeiten durch die Berge spazieren. Dann geht es hinab nach Brunissard und schließlich wieder den Berg hinauf zum Lac de Roue, meinem heutigen Ziel für heute. Dort sind einige Leute am Campen, hier scheint eine Art offizielle Camping-Area zu sein. Ich suche mir ein ruhiges Plätzchen und mach es mit gemütlich. -
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fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 15 - Donnerstag 5.8.: Nevache- Briancon Morgens geht es erstmal in Richtung Plampinet, dort begrüßt mich dann auch schon die Sonne hinterm Berg. Es geht auf breiten Schotterstraßen den Berg hoch, in Serpentinen, also ganz bequem zum Einlaufen. Ich komme an ein paar netten Chalets vorbei. Dann geht es hoch in Richtung des Col de Dormillouse. Bisher ist mir noch keine Menschenseele begegnet - nur ein paar Murmeltiere laufen durch die Gegend. Auf dem Weg bisher gab es immer mal wieder Schilder bzgl. der Patous, der Hirtenhunde, die hier mit den Schafherden unterwegs sind. Bis auf einmal in den ersten Tagen meiner Wanderung und da ja auch nur aus Entfernung sind mir aber noch keine direkt begegnet. Heute sehe ich überall mal wieder die Schilder und irgendwie sagt mir mein Gefühl, dass ich heute auf welche treffe. Beim Gedanken daran ist mir etwas unwohl, ich hab vor Hunden schon im Alltag eher Respekt. Naja, ich also hoch zum Col und kurz bevor ich oben bin höre ich Glöckchengebimmel… eine Herde Schafe kommt in Richtung des Col vom Berg runter. Es ist ein Schäfer dabei und natürlich auch die Patous. Ich gehe schneller, um ihnen nicht direkt zu begegnen und vor ihnen am Col zu sein. Bin ich dann auch, aber als ich auf der anderen Seite die Kurve in Richtung des nächsten Cols nehme, kommt die Herde genau da runter. Ich also Stöcke nur locker in die Hand und gehe einfach langsam weiter und warte, dass sie mich bemerken. Tun sie dann auch schnell. Und sie kommen mit wildem Gebell und in vollem Tempo den Berg runter auf mich zugeschossen. Mir ist ein bisschen anders. Sie bremsen dann direkt vor mir, beschnuppern mich und lecken meine Hand ab. Ach, das war’s schon?? Das war ja halb so wild. Mein Herz kommt aus der Hose wieder zurück an seinen ursprünglichen Platz gerutscht. Weiter geht es zum Col de la Lauze. In Montgenevre will ich endlich bei der Post die Microspikes loswerden, so der Plan. Ja, die schlepp ich immer noch mit mir rum... Abwärts geht es durch Blumenwiesen und die Grillen zirpen. Angekommenen in Montgenèvre warte ich im Schatten, dass die Post nach der Mittagspause wieder öffnet. Die Zeit vertreibe ich mir mit essen und die Hässlichkeit des Skiorts in dieser wunderschön Landschaft bestaunen. Die Post macht natürlich doch erst später auf und natürlich fehlt der Dame der notwendige Aufkleber für das Päckchen nach Deutschland. Ich solle nach Briancon zur Post. Also geht es nun etwas missmutig wegen dieser verschwendeten Zeit in Richtung Briancon. Dort machen Menschen Bungee Jumping von einer Brücke... Briancon ist groß und laut - beides zu viel irgendwie. Ich will meine Vorräte aufstocken und den Campingplatz ansteuern. Denn für die Post isses natürlich schon zu spät, also will ich es am nächsten Morgen versuchen. Der Campingplatz ist am anderen Ende. Über eine Stunde laufe ich durch die Stadt bis in eine Art Gewerbegebiet. Der Platz ist mit fast 15€ echt teuer, hat dafür aber drei Sterne und das Klopapier darf man selber mitbringen. Eine Menge Radreisende und Bikepacker sehe ich hier. Ich bin müde und irgendwie fertig heute, schnell duschen, was zu essen machen und ab in die Heia. Der Abend steht jedenfalls unter dem Motto sechs Käse. -
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fool antwortete auf fool's Thema in Reiseberichte
Tag 14 - Mitwoch 4.8.: Pont de la Fonderie - Nevache Der Wetterbreicht für heute sagt nur Grau und Regen an und meinen Beinen hab ich auch etwas Pause versprochen. Also geht es heute nur ganz gemächlich bis zum Campingplatz nach Nevache. Das Guidebook veranschlagt dafür 4h. Easy. Um 7.30h mach ich mich auf den Weg. Nachdem es gegen 6.30h bereits aufgehört hatte zu regnen, kann ich im Trockenen zusammen packen. Es geht durch die Granges de la Vallée Etroite, von den dortigen Refuges kommen mir ein paar Wanderer entgegen. Aber ansonsten sind heute nicht viele Leute unterwegs. Oben auf den Col des Thures isses vorbei mit Sicht und nettem Wetter…. Nebel, kalt und der versprochene Regen fängt dann auch bald an. Noch ein bisschen netter Abstieg durch Nadelwald und schon bin ich gegen 10.30h in Nevache am Campingplatz. Dort gibt es unerwarteter Weise einen kleinen Shop mit ziemlich vernünftigen Preisen, da gönne ich mir frisches Baguette, Joghurt, Obst und ´ne Cola. Perfekt für ein zweites Frühstück. Dann bau ich schnell das Zelt auf, bevor der Niesel in richtigen Regen übergeht, der dann auch die nächsten Stunden so weitergeht. Das stört mich aber nicht mehr, ich hab’s in meinem Zelt warm und gemütlich und gönne den Beinen etwas Ruhe. Auch der Abend wird gemütlich. -
(FR) Grande Traversée des Alpes/ GR5 Genfer See -> Mittelmeer 2021
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Tag 13 - Dienstag 3.8.: Modane - Pont de la Fonderie Nachdem sich gestern der Abstieg nach Modane echt gezogen hat und meine Knie entsprechend Veto eingelegt haben nehme ich mir erstens vor, in Briancon einen Pausentag einzulegen und zweitens, heute nur eine kürzere Etappe zu gehen, Ziel ist das Refuge du Mont Thabor oder, je nachdem was die Beine sagen, will ich mir einen Platz nach dem Abstieg in der Nähe der Pont de la Fonderie suchen. Sieht auf der Karte zumindest so aus, als müsste sich da ein geeignetes Plätzchen finden lassen. Aber erstmal ausschlafen, d.h. gegen zehn vor sieben bin ich wach, mache ´nen Kaffee und frühstücke. Eigentlich ist das ja nicht mein Ding, gleich was essen nach dem Aufstehen. Aber: was schon im Bauch ist, muss schließlich nicht mehr auf dem Rücken geraten werden. Und außerdem kann ich dann ganz bequem erstmal zwei Stunden wandern ohne gleich schon ´ne Pause machen zu müssen, weil dann doch schnell der Hunger einsetzt, wenn ich erstmal unterwegs bin. Also los und erstmal den Weg aus Modane heraus suchen. Der Weg wird garniert von etlichen Marien-Schreinen und GR5-Art an der Autobahn-Unterführung gibt es auch. Eigentlich will ich in Valfrejus, nach ca. 2 Stunden Weg, zur Post und endlich die Microspikes nach Hause schicken, die ich schon die ganze Zeit überflüssiger Weise mit mir rumschleppe. Die Post, so hab` ich rausgefunden, befindet sich dort im Office de Tourisme. Dort erklärt mir aber die Dame, dass ich erst morgen früh wieder ein Päckchen versenden könne, irgendwas mit technischen Problemen. Nun gut, nun muss ich die Dinger eben noch drei Tage mitschleppen. Ich hoffe auf eine Post in Briancon. Valfrejus selbst ist ein recht hässlicher Touri-Ski-Ort. Aber nette Ausblicke gibt es mal wieder. Der Weg danach aus dem Tal heraus in die Berge zieht sich heute irgendwie ewig. Die Beine wollen nicht so recht und sind müde und ich bin auch irgendwie maulig. Komme an einem Parkplatz vorbei, da sitzt einer in ´ner winzigen Hütte und verkauft Getränke und Eis. Das würde mir jetzt gerade recht kommen… aber nein, die Finanzen werden hier gerade ohnehin schon genügend strapaziert- heute mal keine extra Ausgaben. Le Lavoir ist ein seltsamer Ort. Alte Militärgebäude und Bunker. Und lauter Typen, die mit Angeln vom Berg kommen. Aber dann wird es wieder netter. Blick zurück… … und Blick in Richtung des Col de Vallée Etroite - über den muss ich rüber. Achso, als ich da bin, ist es 14.30h, das Refuge wäre nur 15min entfernt. Also doch noch der Abstieg und dort einen Platz zum biwakieren suchen. Lustiger kleiner See mit einem Rahmen aus Flauschgräsern: Am Col ist übrigens die Grenze zwischen der beiden französischen Regionen Savoie (da komme ich gerade her)… … und Haute-Alpes (da geht es jetzt hin): Spätestens hier oben mit diesen fantastischen Ausblicken ist dann auch alle Mauligkeit wie weggeblasen. Ist das schön hier! Und kaum wer unterwegs. Traumhaft! Hübsche Blümchen gibt es auch mal wieder: Im Abstieg geht es über eine schöne Ebene, hier könnte man sicher auch gut biwakieren, aber nicht heute, es ist echt windig mit ziemlich krassen Böen und trotz Sonne sehr kalt. Letztere verschwindet dann auch bald und es zieht sich zu. Ich mach mich an den letzten Abstieg des Tages. Der ist entspannt und macht echt Spaß. Ab und zu fallen ein paar Tropfen. Schließlich finde ich einen super Platz fürs Biwak an einem Bach, etwas abseits vom Weg, schön eben und die Feuerstelle verrät, dass hier wohl nicht zum ersten Mal wer pennt. Kaum bin ich angekommen und hab ein bisschen die Füße gelüftet und die Beine etwas gedehnt, fängt es auch schon wieder an zu tröpfeln. Also schnell das Zelt aufbauen, noch etwas Wasser aus dem Bach filtern und ab ins Trockene!! -
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Danke - freut mich, dass der Bericht gefällt! Leider ist's arbeitstechnisch bei mir gerade recht eng getaktet, deswegen bin ich hier noch nicht weiter gekommen - aber ich gelobe Besserung Also ich war insgesamt 28 Tage unterwegs von St. Gingolph bis Menton. Dabei waren der erste sowie der letzte Tag nur halbe Wandertage und zudem hab ich gegen Ende ein paar zusätzliche Neros eingelegt. Ich hatte recht frühzeitig meine Weiterreise per Zug Richtung Pyrenäen gebucht, da die Preise bei kurzfristiger Buchung sehr viel teurer gewesen wären. Dabei hatte ich zeitlich echt großzügig zeitlich geplant (Wetter, Körper, Wasauchimmersodazwischenkommenkann, ..), war dann aber doch schneller, was ich am Ende dann mit den Neros wieder ausgleichen musste, um vor der gebuchten Weiterreise nicht noch ewig in Menton/ Nizza festzusitzen. Edit: Also 25 Tage wären recht entspannt drin gewesen. Bzgl. Etappenlängen: zwischen 11 und 40km war alles drin -
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Tag 12 - Montag 2.8.: Pralognan-la-Vanoise - Modane Heute geht es erst ganz gemächlich bergauf, gut zum Einlaufen am Morgen. Hübsche Blicke zurück sind auch inklusive. Und ihren eigenen Petit Mont Blanc scheinen sie hier auch zu haben. Eine hübsche kleine Siedlung mit einem Refuge und einem Restaurant, dann geht es nach einem Parkplatz zum Komfort-Wandern auf breiten Wegen, wie es auch all die Tagesausflügler tun, die dort gerade aus ihren Autos steigen. Immerhin lernt man was über Käse. Eine Pause mit Blick auf das Kommende, danach schnell ein Dutzend Spaziergänger überholen und hübsche Blümlein gucken. Dann geht es hoch zum Col de Chavière, dem höchsten Punkt des GR5 mit 2796m. Der Abstieg ist steil, dann geht es über eine wunderschöne Hochebene. Dort nochmal eine kurze Pause bevor der Abstieg nach Modane beginnt. An einem Haus wächst Edelweiß... Das letzte Stück des Abstiegs geht super steil durch Wald, zwar auf breiten Wege, diese sind aber steil und mit einer fiesen Schicht aus Geröll in allen Größen, Tannenzapfen und Totholz bedeckt. Zweimal haut es mich hin, einmal auf den Allerwertesten und einmal auf den Arm. Ich bin genervt und schimpfe vor mich hin. Schließlich beruhige ich mich mit Gedanken an die bevorstehende Supermarktplünderung. Die folgt gleich nachdem ich Modane betreten habe. Übrigens der erste wirklich größere Ort hier seit meinem Start. Entsprechend groß auch der Supermarkt und die Auswahl. Ich hab Hunger und kauf mal wieder viel zu viel... -
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Tag 11 - Sonntag 1.8.: Val Claret - Pralognan-la-Vanoise Der Wecker klingelt um 5.30h, die Nacht in einem richtigen Bett war echter Luxus, meint mein Körper und gibt sich sehr entspannt. Zum Frühstück gibt es Brötchen, Brot, Joghurt und `ne Banane, dazu Kaffee, O-Saft und Kakao. Dann geht leider nix mehr rein und ich hole meinen Rucksack und mache mich auf den Weg. Die Wettervorhersage für heute ist weniger ideal: kalt, nass und grau ist angesagt. Zuerst steht der Aufstieg in Richtung Col de la Leisse auf dem Programm. Neblig ist es und nass sind die Wege vom Regen und den Gewittern letzte Nacht. Aber so ist sonst niemand unterwegs und es ist schön ruhig. Das hat auch was für sich. Ein Schild weist zum Col de la Fresse – ich feier erstmal den Namen. Aber da muss ich nicht hin, sondern in die andere Richtung. Schön ist es hier, wild irgendwie. Aber man sieht nicht allzu weit wegen des Nebels, der überall hängt. Zwischendurch reißt der Himmel etwas auf. Auch am Col de la Leisse ist es neblig und kalt, ein paar unproblematische Schneefelder gilt es zu passieren und dann geht es weiter ins nächste Tal. Ich komme am Refuge de la Leisse vorbei, dort esse ich ein paar Nüsse und unterhalte mich mit den Hühnern. Sie wollen was abhaben. Kriegen sie aber nicht, mit meinem Essen bin ich derzeit geizig. Unterwegs grüße ich ein paar Murmeltiere. Zwei sind am Zanken und der Kollege hier guckt neugierig in meine Richtung. Es fängt an zu regnen, erst leichter Niesel, dann immer stärker und der Wind wird ziemlich heftig. Ich ziehe mehr Klamotten an - heute rechtfertigt sich dann auch endgültig die Mitnahme der Regenhose - und weiter geht es. Danach der nächste Aufstieg zum Col de la Vanoise. Es kommt sogar ein bisschen die Sonne raus und schnell wird es warm. Doch kaum 30min im Aufstieg fängt es schon wieder an zu regnen und es kommt ein eisiger und böiger Wind auf. Ich ziehe wieder alles an, was geht und stopf mir ein paar Nüsse in den Mund. Na gut, eben keine Pause und Mittagessen hier, dann eben noch die anderthalb Stunden zum nächsten Refuge. Die laufen sich dann auch ganz gut, zwar ist es arschkalt und es regnet und ich sehe nichts von all der Pracht um mich, die sich durch den Nebel nur erahnen lässt. Der Weg ist oft einfach ein einziger Bach, die Füße sind nass. Weil Regen und keine Sicht, gibt es auch keine Fotos. Stattdessen fange ich an, Selbstgespräche zu führen. Und die Brille verdient die Bezeichnung Sehhilfe aufgrund all des Regens, der sich auf ihr niederlässt, auch nicht mehr. Dann taucht aus dem Nebel direkt vor mir das Refuge du Col de la Vanoise auf. Dort genehmige ich mir erst einmal eine heiße Schokolade und ein Crêpe. Yummieh!! Nachdem ich mich eine dreiviertel Stunde aufgewärmt habe, geht es wieder nach draußen in die Kälte und ins Nass. Es stehen ca. drei Stunden Abstieg nach Pralognan-la-Vanoise an. Die Landschaft hier ist bestimmt ganz besonders toll. Eigentlich. Wenn man was von ihr sieht... -
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Tag 10 - Samstag 31.7.: Nancroix - Tignes Val Claret Die Nacht war feucht. Allerdings nur draußen, im Zelt war es trocken und kuschelig. Heute soll also der zweite halbe Pausentag folgen. Damit ich nicht zu früh am Refuge bin, hab ich extra ausgeschlafen und starte erst gegen 9.15h. Es geht erst durch den Wald, dann durch hübsche kleine Siedlungen den Bergen entgegen. Und der Sonne, die kommt nämlich gerade raus. Ich mache erstmal ´ne Pause, esse was und genieße die Aussicht. Und ich muss ja auch etwas Zeit totschlagen, will ja nicht allzu früh am Refuge sein. Nach dem halben Pausentag gestern fällt mir das Stillsitzen aber schon wieder schwer, ich will weiter. Also breche ich auf. Schließlich wird es ganz schön neblig, man sieht kaum noch was und ziemlich frisch wird es auch. Vorbei geht es an den typischen Steinhütten hier. Die heißen meist irgendwas mit Chalet de soundso. Schließlich betrete ich den Parc de la Vanoise, hier ist nun u.a. Biwakieren strengstens untersagt. Dafür sind auch hier natürlich die üblichen Wegmarkierungen zu finden. Als ich gegen 12h merke, dass ich trotz aller Schleicherei und den Pausen schon um 13h am Refuge wäre, beschließe ich, noch weiter zu gehen. Also weiter, es wird höher und kälter und beginnt schließlich zu regnen. Aber dafür kann ich Kühen beim Kuscheln zugucken. Und Murmeltiere gucken auch aus ihren Löchern. Schließlich komme ich am nächsten Refuge an und ich frage nach einem Schlafplatz. Nix da, sind „complet“. Biwakieren könnte ich neben der Hütte. Allerdings sind wir hier auf 2600m und für den Abend und die Nacht sind starke Gewitter angesagt, also bin ich nicht ganz so wild drauf. Inzwischen hat sich auf einen Schlag das Wetter gewandelt. Das ist doch mal ein Zeichen! Weiter geht`s zum Col. Und dort ist es einfach atemberaubend schön!!! Inzwischen hab` ich dann auch wieder Netz und buche mit das günstigste Zimmer in Tignes Val Claret - für 77 Tacken. Ürgs. Es folgt der Abstieg, der den Blick auf Tignes le Lac und Tignes Val Claret offenbart, die als Ski-/ Ferienressorts die unfassbar schöne Landschaft hier verschandeln. Noch fix was zu essen besorgen und dann ab in mein objektiv betrachtet dezent olles und ranziges, aber auch irgendwie gemütliches und nach den Nächten im Zelt fast schon luxuriös wirkendes Hotelzimmer. Gegen 19h fängt es dann auch wild an zu blitzen und zu donnern und ich empfinde mein Geld als hervorragend investiert. -
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... und weiter geht's.... Tag 9 - Freitag 30.7.: Landry - Nancroix Die nächsten zwei Tage sind ruhig und entspannt geplant, eine Etappe in zwei Tagen quasi, da ich erst für Sonntag eine Reservierung für ein Bivouac an einem der Refuges im Vanoise Nationalpark habe - anderswo darf man da nämlich nicht zelten bzw. biwakieren, als direkt an den entsprechenden Refuges mit Reservierung. Den Beinen tun zwei ruhige Tage sicher auch ganz gut. Soweit der Plan. Die Beine scheinen allerdings nur „Pausentag“ gehört zu haben und beschweren sich über die doch nicht zu vernachlässigenden Höhenmeter, die es erst einmal zurückzulegen gilt. Ich verspreche ihnen was Leckeres zu essen in Peisey und so geht es über steile kleine Waldpfade beständig nach oben. Zwischendurch gibt es nette Ausblicke. Und hübsche Falter. Der Supermarkt in Peisey ist winzig und die Preise mal wieder gesalzen. Die Beine erhalten ihre versprochene Belohnung in Form von Joghurt, Cola, Orangina und frischem Baguette. Der Käse kommt für die weitere Aufrechterhaltung der Motivation in den Rucksack für später. So geht es weiter zum Campingplatz mit Ausblick in Richtung Vanoise. Dort chille ich den Rest des Tages, wasche Wäsche, esse und lasse es mir gut gehen. Abends fängt es dann an zu gewittern, ich mach es mir im Zelt gemütlich und habe es kuschelig, während es draußen blitzt, donnert und aus Kübeln gießt. -
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Danke! -
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Moin @Bergschlumpf, danke für deine netten Worte! Es freut mich, wenn dir der Bericht gefällt und ich dich so quasi ein bisschen „mitnehmen“ konnte bzw. kann- der Bericht wird tatsächlich auch noch fortgeführt werden- allerdings werde ich frühestens in einer guten Woche dazu kommen weiter zu schreiben, jetzt darf ich nämlich erstmal eine Woche zu Fuß unterwegs sein Am Ende werde ich dann gerne auch noch was zur Ausrüstung schreiben! Beste Grüße fool -
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Moin! Ich kann bei Interesse gern am Ende nochmal gesondert was zur Ausrüstung schreiben! Das Zelt ist eine ältere Version des Solomid XL von MLD (Mountain Laurel Designs). Beste Grüße!